So manches Schlechtes muss man über Fertigfutter für seine Haustiere lesen: Zu stark gewürzt sei es, der Fleischanteil zu gering, sogar allergieauslösende Stoffe sollen in machen Futtermitteln enthalten sein. Oftmals erleben Haustierbesitzer eine böse Überraschung, wenn sie die Inhaltsstoffe von Fertigfutter googeln, denn tatsächlich strotzen die meisten Futtermittel nur so von Konservierungs- und Zusatzstoffen, auch ein erschreckend hoher Zuckeranteil ist die Regel – auch wenn dieser schädlich für Vierbeiner ist. Nicht wenige Hundehalter beginnen deswegen, sich nach Alternativen zu dem üblichen Fertigfutter umzusehen. Früher oder später taucht bei Recherchen zu diesem Thema immer der Begriff BARF auf. Wir klären Sie auf, worum es sich hier handelt, und ob diese Art der Ernährung für Sie und Ihren Hund Nutzen hat.

Was heißt BARF?

Der Begriff BARF stammt aus dem Englischen und wird im deutschen häufig mit  „biologisch artgerechte Rohfütterung“ übersetzt. Der Gedanke dahinter: Der Hund stammt vom Wolf ab, auch wenn sich sein Äußeres mittlerweile rassebedingt teilweise sehr verändert hat. Sein Verdauungstrakt und seine Nährstoffbedürfnisse sind aber die selben geblieben. Deshalb erscheint es vernünftig, eine gesunde Ernährung an der natürlichen Ernährung des Vorfahren Wolfes auszurichten.

Nun sollte man meinen, dass Barfen entsprechend einfach ist: Schließlich muss man dem Hund nur rohes Fleisch vorlegen. Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Schließlich ist Fleisch nicht gleich Fleisch: Je nach Schlachttier und Körperteil sind andere Nährstoffe enthalten, gerade die Innereien weisen hier enorme Unterschiede auf. Dazu kommt, dass wilde Wölfe beispielsweise den Mageninhalt eines Tieres mitfressen und auf diese Weise auch pflanzliche Bestandteile aufnehmen – allerdings bereits vorverdaut, also auch für den Fleischfresser-Magen gut verträglich. Auch Knochen und ähnliches werden verwertet, denn Verschwendung gibt es in der Natur selten. Entsprechend gibt es einiges zu beachten, damit durch die Rohfütterung keine ernsthaften Mangelerscheinung entstehen.

Wie Barft man richtig

Durch Barfen versucht man also, eine natürliche Ernährung durch Beutetiere zu simulieren. Fleisch und Knochen dienen als Energie und Calciumlieferanten, während Gemüse, Kräuter und Obst der Vitaminzufuhr dienen. Die Inhaltsstoffe werden roh gefüttert, zum einen weil das am natürlichsten ist, zum anderen, weil nur Roh der volle Nährstoffgehalt erhalten bleibt.

Was die Futtermenge betrifft, so sollten pro Tag circa 2% des Körpergewichtes gefüttert werden. Dieser Wert darf allerdings in Abhängigkeit von der Aktivität und dem Alter des Hundes variieren. Auch die Zusammensetzung muss immer wieder mit den Bedürfnissen des jeweiligen Hundes abgeglichen werden. Da wird schnell klar: Barfen ist ein komplexes Fütterungskonzept, das man nicht über Nacht erlernen kann. Deshalb müssen wir uns auch hier auf Grundsätzliches beschränken, denn eine genaue Anleitung würde diesen Rahmen sprengen. Wenn Sie sich eingehend mit dem Thema beschäftigen wollen, erfahren Sie hier mehr darüber, was beim Barfen enthalten sein sollten.

Überhaupt wird was Barfen betrifft viel auf Selbstinformation gesetzt – fertige „Barf-Rezepte“ findet man so gut wie nie. Von Barfern wird vielmehr erwartet, dass sie sich zunächst mit den Nahrungsbedürfnissen ihres Tieres auseinander setzen und davon ausgehend selbst individuelle Ernährungspläne zusammenstellen, die genau zu ihrem Hund passen.

Damit Barfen eine ausgewogene Ernährung ist, muss nicht unbedingt zwangsweise jede einzelne Mahlzeit genau berechnet sein. Tatsächlich geht dieses Ernährungskonzept davon aus, dass sich durch eine abwechslungsreiche Nahrungszusammenstellung der empfohlenen Nahrungsmittel langfristig von ganz allein eine vollwertige und ausgewogene Ernährung ergibt. Schließlich erwischen Wölfe auch bei  jedem Beutezug unterschiedliche Beute mit unterschiedlicher „Qualität“.

Übrigens: Schweinefleisch sollte für die Rohfütterung niemals verwendet werden. Denn hierin kann sich der aujetzkische Virus verbergen. Es handelt sich dabei um einen Herpesvirus, der sich im Schweinefleisch verkapselt haben kann und der für Hunde, aber auch für Katzen, normalerweise tödlich endet.

Zusätzlich Nährstoffe beim Barfen

Gerade wegen der Unsicherheiten was die Nährstoffzufuhr beim Barfen betrifft, greifen viele Halter gerne auf ergänzende Nährstoffpräparate zurück. Die Auswahl ist hier groß: Ob Grünlippmuschel-Extrakt für die Hundegelenke, Vitamin-B-Komplex für Nerven und Stoffwechsel, Collagen für die Knorpel oder auch Colostrum für das Immunsystem – eine Vielzahl hochwertiger Produkte kann die Ernährung Ihres Vierbeiners in Phasen des erhöhten Bedarfs gezielt unterstützen und Mangelerscheinungen vorbeugen.

Gefahren beim Barfen

Auch das wollen wir Ihnen aber nicht verschweigen: Barfen birgt durchaus Risiken. Das offensichtlichste Risiko ist dabei wohl, dass durch nicht ausreichende Beschäftigung mit dem Thema Mangelerscheinung auftreten. Allerdings gibt es noch andere problematische Aspekte. Das beispielsweise der Chihuahua mit seinem eher katzenhaften Gebiss kaum noch in der Lage ist, nahrhafte Rinderknochen zu zerkauen, mag jedem einleuchten. Aber selbst größere Hunde, die sich gebisstechnisch noch näher am Wolf befinden, haben nicht selten Schwierigkeiten bei der Futterumstellung: Durchfall, Erbrechen und andere Magen-Darm-Probleme kommen häufig vor. Knochensplitter können im Hals und Rachenraum stecken bleiben und tiermedizinische Behandlung notwendig machen. Auch ausgebrochene Zähne oder Darmverschluss werden als unerwünschte Folgen von Barfen genannt.

Und auch das Infektionsrisiko durch rohes Fleisch sollte nicht unterschätzt werden. Dabei sollte aber nicht nur an den Hund gedacht werden, sondern auch an den Mensch. Denn Salmonellen und ähnliche Erreger können in rohem Fleisch enthalten sein – auch wenn der Hund selbst nicht daran erkrankt, kann er die Erreger als Ausscheider übertragen.

Vor- und Nachteile von BARF

Eins steht fest: Barfen kann und darf nicht einseitig betrachtet werden. Zu Ihrer besseren Übersicht haben wir eine kleine, unvollständige Liste an Vor- und Nachteilen des Ernährungskonzeptes zusammengestellt.

Vorteile beim Barfen:

  • Abwechslungsreiche Ernährung durch ständig wechselnde Zusammensetzung
  • Naturnahe Ernährung, auch für Futtermittelallergiker geeignet
  • Durch verstärkte Kauarbeit gesünderes Gebiss

Nachteile beim Barfen:

  • zeitlicher Aufwand für den Halter, viel Selbstinformation nötig
  • Gefahr von Mangelerscheinungen ist bei unzureichender Information relativ groß
  • Verletzungsrisiko des Hundes durch Knochensplitter u.ä., sowie Infektionsgefahr durch enthaltene Keime

Warum Barfen trotzdem auf jeden Fall sinnvoll ist

Ganz klar: Gerade bei Futtermittelallergikern ist Barfen oft die beste Wahl. Aber bei „normalen“ Hunden gleicht die Frage nach dem Sinn des Barfens oftmals eher einer Grundsatzdiskussion: Ob nun Barfen oder die Fütterung mit hochwertigen Fertigfuttermitteln besser für Ihren Hund sind, kann bislang nicht eindeutig belegt werden. Sowohl Befürworter als auch Kritiker des Konzepts neigen dazu, eher idealistisch zu argumentieren, so dass Diskussionen schnell hitzig enden.

Einen Nutzen hat das Barfen aber auf jeden Fall: Ein Halter, der barft, beschäftigt sich zwangsläufig intensiv mit seinem Hund und dessen Bedürfnissen. Wissen wiederum ist die Grundlage für Verständnis – dadurch kann eine gute Beziehung mit dem Haustier entstehen. Und ein harmonisches Zusammenleben mit seinem Hund ist doch genau das, was sich jeder Hundehalter wünscht!

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