Im Sommer 2014 tourt Cesar Millan durch Deutschland. Der Amerikaner ist nicht zuletzt durch seine Fernsehsendung als Hundeflüsterer bekannt, unter dessen Händen selbst schwierige Problemhunde sofort lammfromm werden. Dabei setzt er weder Gewalt noch sichtbare Hilfsmittel ein, sondern arbeitet fast ausschließlich mit Körpersprache und Energie. Die Erfolge sind unübersehbar, das Interesse seiner Methode entsprechend groß. Allerdings polarisiert Cesar Millan auch: Was die einen wie ein Wunder aussieht, erscheint anderen als Tierquälerei. Wir haben für Sie zusammengefasst, wie der amerikanische Hundeflüsterer arbeitet und worauf seine Methode beruht.

Cesar Millan – wer er ist und was er tut

Cesar Millan hat seine Methode im Laufe vieler Jahre Jahre entwickelt, in denen er anfangs in einem Hundesalon tätig war. Mittlerweile ist er der wohl bekannteste Hundetrainer weltweit – allerdings auch einer der umstrittensten. In Los Angeles betreibt er mit dem „Dog Psychology Center“ eine riesige Anlage, auf der seine Hundetrainer Problemhunde nach seiner Methode resozialisieren und trainieren. Um Cesar Millan selbst ist mittlerweile ein gigantischer Medienhype ausgebrochen: Er hat mehrere TV-Formate, ist Bestseller-Autor, vertreibt und bewirbt verschiedenste Produkte rund um den Hund und tourt mit seinem Live-Programm durch die Welt.

Cesar Millan

Rudelführer sein

Geht es um Cesar Millan und seine Methode, fallen häufig die Wörter „Rudelführer“ und „Energie“ – und tatsächlich sind das die Grundlagen, auf denen die komplette Methode basiert.

Denn Hund und Mensch haben völlig unterschiedliche Wege zu kommunizieren: Menschliche Worte versteht der Hund nur sehr bedingt – die Körpersprache des Hundes wiederum ist für den Menschen nicht wirklich nachahmbar, schließlich fehlt uns nicht nur die Rute, sondern auch die Mimik, die Hunde dank Ihrer Ohren, Nase und vielem mehr zeigen können.

Deshalb propagiert Cesar Millan, mit dem Hund zu kommunizieren, indem man die passende Energie ausstrahlt. Die sollte selbstsicher, ruhig und bestimmt sein, wenn Sie möchten, dass Ihr Hund Sie als überlegen und ihm wohlgesonnen wahrnimmt – eben als echten Rudelführer. Denn nur wenn ein Hund einen Rudelführer hat, der seiner Aufgabe auch wirklich gewachsen ist, kann er sich entspannen und ein positives Verhältnis zwischen Hund und Halter kann sich entwickeln.

Denn genau wie in einem Hunderudel, braucht der Vierbeiner auch dann, wenn er sich in einem menschlichen „Rudel“ befindet, stets eine feste Sozialstruktur, um sich sicher zu fühlen und ein gesundes Sozialverhalten zu entwickeln – und das ist schließlich die Grundlage einer guten Beziehung zwischen Mensch und Tier.

Die richtige Energie ausstrahlen

Beobachtet man ein Hunderudel, erkennt das geschulte Auge oft rasend schnell, welcher Hund der Rudelführer ist: Seine Körperhaltung, sein Verhalten strahlt es deutlich aus. Diese Ausstrahlung ist es, die sich der Mensch laut Cesar Millan zu eigen machen muss, wenn er seinem Hund das sichere Gefühl geben will, einen zuverlässigen Rudelführer zu haben, der seinen Aufgaben gewachsen ist.

Natürlich kann man eine ruhige, sichere Ausstrahlung nicht erzwingen. Ein krampfhaftes Versuchen bringt eher Unruhe. Allerdings gibt es einige Tricks, mit denen man die Ausstrahlung einer guten, sicheren Energie fördern kann:

  • die Schultern entspannen
  • tief in den Bauch atmen
  • eine etwas tiefere Stimmlage als normal wählen
  • auf übertriebene Mimik und Gestik verzichten

Das Timing ist der Schlüssel

Auch wenn mit einer zuverlässigen Ausübung der Rolle des Rudelführers und der Ausstrahlung der richtigen Energie bereits die Grundlagen für Kommunikation und Verständnis zwischen Hund und Halter gelegt sind, ist doch gerade bei „Problemhunden“ noch mehr erforderlich, um ihn zu resozialisieren.

Der Schlüssel ist hier das Timing: Nur wenn die entsprechende Korrektur des unerwünschten Verhaltens in genau dem richtigen Moment und in genau der richtigen Intensität erfolgt, kann der Hund daraus auch seine Lehren ziehen.

Gerade bei echten Problemfällen ist ein Laie selten in der Lage, Situationen ohne fachkundige Unterstützung richtig einzuschätzen und entsprechend zu entschärfen. Und ist der richtige Moment verpasst, kann die Stimmung schnell umschlagen: Drohgebärden können dann im Nu zu echten Attacken und Bissen werden. Deshalb ergeht hier stets der Rat: Wenden Sie die Methoden nicht ohne Hilfe eines Fachmannes an!

Warum der Hundeflüsterer polarisiert

Allerdings ist sich die Fachwelt in Bezug auf Cesar Millan und seine Methoden seit jeher uneins: Während manche ihn als Hundeflüsterer bewundern, schimpfen andere, seine Methoden wären nicht tierfreundlich. Das, was die Befürworter als sanfte Korrektur mittels Beindruck interpretieren, sehen die Gegner als fiesen Tritt, der den Hund einschüchtert.

Ebenso verfährt es sich mit der Technik, das Hundehalsband näher am Kopf denn am Körper zu tragen, um eine bessere Kontrolle über den Hund zu haben: Während die einen darin einen kleinen Trick mit beeindruckender Wirkung sehen, schimpfen andere, die Hunde würden dadurch gewürgt.

Folgt man den TV-Ausstrahlungen seiner Sendungen, bleibt man zudem oft sprachlos zurück, weil die gezeigten Hunde anscheinend ihr komplettes Wesen in wenigen Sekunden wandeln. Was Fans als Beweis seines Könnens sehen, wird von Feinden als Beweis gesehen, dass die Sendungen gefaked sind – wer letztlich Recht hat, wird man vor dem Fernsehbildschirm aber wohl niemals beurteilen können.

Eine eigene Meinung bilden

Egal wie sehr die Meinungen zu Cesar Millan aber auch auseinander gehen, eines ist unbestritten: Er ist extrem erfolgreich! Zig Menschen verfolgen weltweit seine Sendungen im TV, Prominente aus aller Welt reißen sich mit ihren Hunden um Termine bei dem amerikanischen Hundeflüsterer. Und letztlich müssen doch selbst die Zweifler zugeben, dass der Grundgedanke hinter der Methode, durchaus Tiergerecht ist, auch wenn man sich über die Durchführung streiten kann: Denn das Hunde eine stabile Rudelstruktur brauchen, um ein verträgliches Sozialverhalten entwickeln zu können, da stimmen selbst die größten Kritiker zu. Wie viel Sie für sich und Ihren Hund aus der Cesar-Millan-Methode ziehen möchten und können, müssen Sie also wie bei jeder anderen Trainingsmethode auch, selbst entscheiden.

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