Cane-CorsoFaszinierende Muskelberge oder potentielle Gefahr? Während auf der einen Seite Kleinsthunde heiß begehrt sind, gibt es auch immer mehr Menschen, die sich für das komplette Gegenteil erwärmen: Die massigen, gut bemuskelten Molosser-Hunderassen haben ihren ganz eigenen Freundeskreis. Dabei wird eine hierzulande eher neue Rasse immer beliebter: Der Cane Corso italiano. Gerade Züchter und Liebhaber preisen den Cane Corso als freundlichen, ruhigen Familienhund, dennoch gilt er in mehreren Bundesländern als Listenhund. Und die Wahrheit liegt dabei wohl wie meistens irgendwo dazwischen.

Kurze Rassegeschichte

Der Cane Corso italiano geht vermutlich auf die uralten römischen Molosser-Hunde zurück, die schon auf antiken Fresken abgebildet sind. Im Süden Italiens hat sich schließlich der typische Cane Corso herausgebildet: Jahrhunderte lang wurden Sie als Haus- und Hofhunde gehalten und auch als Jagd-, Herdenschutz- oder Treibhunde fanden Sie Anwendung.

Mit zunehmender Industrialisierung nahm die Anzahl der Corso-Hunde immer mehr ab, bald war Sie im Aussterben inbegriffen. Ende des 20. Jahrhunderts begannen engagierte Rasseliebhaber, die verstreuten Bestände wieder zu vereinen und den Fortbestand der uralten italienischen Hunderasse zu ermöglichen, 1996 schließlich wurde der Cane Corso italiano als eigene Rasse anerkannt.

Erscheinungsbild des Cane Corso

In seinem Erscheinungsbild ist der Cane Corso ein typischer Molosser: Muskulös, mit einem robusten Körperbau und mächtigem Schädel gibt er ein wirklich imposantes Bild ab. Ausgewachsen erreicht der Coso-Hund bis zu 70cm Schulterhöhe, ein Gewicht von bis zu 50kg ist keine Seltenheit. Dabei ist er zwar massig, aber keinesfalls plump. Stattdessen überzeugt er durch gute Proportionen und eine athletische Figur. Durch den jahrhundertelangen Einsatz als vielseitiger Gebrauchshund, gibt es bislang keine angezüchteten anatomischen Übertreibungen: Körperbau und Erscheinungsbild sind zwar kraftvoll, aber doch stets harmonisch und natürlich.

Da die Rasse in Deutschland noch relativ selten ist, sind viele der für die Zucht verwendeten Hunde aus dem Ausland eingeführt und entsprechend an Schwanz und Ohren kupiert – dadurch erhält der Cane Corso ein besonders scharfes Äußeres. Da diese Praktik aber in Deutschland schon seit längerem verboten ist, wird wohl zunehmend der Cane Corso mit seinen angeborenen Schlappohren und langem, schlanken Schwanz bei deutschen Hundehaltern einziehen.

Charaktereigenschaften des Cane Corso

Der Cane Corso gilt als freundlicher, ausgeglichener Begleiter in allen Lebenslagen, den nichts so schnell aus der Ruhe bringt. Ein fauler Couch-Potatoe ist dieser Molosser allerdings trotz seiner ruhigen Art nicht: Durch seine Geschichte als Gebrauchshund hat der Cane Corso nach wie vor eine stark ausgeprägte Arbeitsfreude und fordert entsprechend Beschäftigung ein.

Ein ausgeprägter Schutz- und Wachtrieb ist den Corso-Hunden in die Wiege gelegt. Droht Gefahr, so beschützen Sie ihre Familie und deren Besitz bis aufs Blut, dabei sind sie unerschrocken und kompromisslos. Grundlose Aggressionen liegen einem gut aufgezogenen Cane Corso allerdings fern: Im Alltag zeigt er sich eher gelassen und freundlich – sowohl seinen Menschen gegenüber, als auch gegenüber allen Tieren, die mit zum Haushalt gehören.

Zwischen Familie und Rasseliste

Hört man Liebhaber der Rasse von dem ruhigen, freundlichen Wesen des Cane Corso schwärmen, fällt es schwer nachzuvollziehen, dass eben diese Tiere in Bayern und Brandenburg als Listenhunde gelten. Aber wie so oft liegt es in erster Linie in der Hand der Halter, ob aus einem Cane-Corso-Welpen nun ein vorbildlicher Familienhund oder ein gefährlicher Muskelprotz wird.

Schon das imposante Erscheinungsbild dieser Rasse sollte jedem Interessenten klar machen, dass hier solide Erziehungsarbeit geleistet werden muss. Denn geraten die massigen Körper erst einmal in Bewegung, lassen Sie sich nicht durch einen Ruck an der Leine, sondern ausschließlich durch gut antrainierte Grundkommandos stoppen. 50 Kilogramm Hund können auch beim Spiel oder bei einer freudigen Begrüßung Menschen zu Fall bringen und Knochen brechen lassen. Deshalb muss (wie bei den meisten Molosser-Hunden) schon im Welpenalter eine liebevoll-konsequente Erziehung stattfinden. Da das gerade für Hundeanfänger nicht unbedingt einfach ist, macht es Sinn, Fachpersonal hinzuzuziehen, die Erfahrung mit der Ausbildung von Molossern haben. Dann steht einem Leben als freundlicher Familienhund nichts mehr im Weg.

Leider sieht die Realität aber häufig anders aus: Wie viele andere kraftvolle Hunderassen mit imposanten Äußeren zieht auch der Cane Corso Menschen mit wenig Sachverstand, dafür aber viel Aggressionspotential an, die einen „bedrohlich“ aussehenden Hund als Stütze für ihr eigenes Ego an ihrer Seite wollen. Aktuell ist diese Entwicklung noch einigermaßen unter Kontrolle, da es diese noch seltene Rasse bisher kaum von wilden Vermehren gibt und verantwortungsvolle Züchter ihre Interessenten normalerweise gründlich auswählen. Dennoch nimmt schon jetzt die Anzahl, der „wild“ angebotenen Deckrüden und der aus Überforderung abgegebenen Cane Corso Hunde zu. Da ihr massiver Körperbau bei falscher Haltung tatsächlich zur potentiellen Gefahr wird, macht es deshalb Sinn, den Cane Corso nur unter gewissen Einschränkungen, wie beispielsweise einem eingezäunten Grundstück oder einem Sachkundenachweis, halten zu dürfen – zumindest, solange diese Einschränkungen einer artgerechten und verantwortungsvollen Haltung zugute kommen.

Bild: © PaulShlyko / Fotolia.com

Eine Antwort zu “Rasseportrait: Cane Corso italiano”

  1. Illy sagt:

    Mehr Infos zur Rasse bietet das erste deutschsprachige Rassehundebuch: „Der Cane Corso Italiano“ von Margit Hartleb.
    Homepage: canecorso-buch.de

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