Rhodesian RidgebackLöwenjäger im Wohnzimmer? Eigentlich ist es kein Wunder, dass der Rodesian Ridgeback immer beliebter wird: Die großen, rotbraunen Hunde mit dem typischen Fellkamm auf dem Rücken sehen einfach unglaublich majestätisch aus, so dass es schwer fällt, sich ihrer Faszination zu entziehen. Entsprechend steigt auch die Zahl an Haltern, die sich einen Rhodesian Ridgeback wünschen von Jahr zu Jahr an. Leider wird dabei häufig vergessen, dass diese Rasse mit ihrem beeindruckenden Erscheinungsbild zu einem ganz bestimmten Zweck gezüchtet wurde – und dadurch nur sehr bedingt zur Haltung als pflegeleichter Familienhund geeignet ist.

Kurze Rassengeschichte

Der Rhodesian Ridgeback sieht nicht nur beeindruckend aus, er hat auch eine beeindruckende Geschichte: Diese sehr alte Hunderasse stammt aus dem südlichen Afrika und wurde dort gehalten, um die Dörfer zu beschützen und Großwild zu jagen – insbesondere auch Löwen. Ihr muskulöser Körperbau und ihre blitzschnellen Reaktionen machten es ihnen möglich, die großen Raubkatzen zu stellen und in Schach zu halten, bis die Menschen nachkamen, um sie zu erlegen. Die Kolonialherren waren begeistert von diesen kraftvollen Jägern, dennoch dauerte es lange, bis sie auch in der alten Welt Fuß fassten.

Erscheinungsbild des Rhodesian Ridgebacks

Am äußeren Erscheinungsbild des Rhodesian Ridgebacks ist der Rückenkamm das auffälligste: Die Haare stehen hier durch Wirbel, als würde der Hund sein Fell aggressiv aufstellen. Dazu kommt eine beeindruckende Größe von 60-70cm Schulterhöhe und ein Gewicht von 30-40kg. Die für die Zucht erlaubten Fellfarben gehen von Weizenfarben bis Rot, das Fell ist dicht, kurz und glatt. Ein harter Selektionsdruck durch das afrikanische Klima und wehrhaftes Wild hat die Rhodesian Ridgebacks zu einer kraftvollen und genügsamen Rasse werden lassen.

Die Charaktereigenschaften des Rhodesian Ridgebacks

Wie sein Körperbau, so ist auch der Charakter des Rhodesian Ridgebacks durch und durch kraftvoll: Diese Hunde haben eine starke Persönlichkeit sowie einen ausgeprägten Jagd- und Wachtrieb, der vom Welpenalter an sorgfältig gelenkt werden muss. Sie sind loyal und mutig, allerdings geht dieser Mut zum Teil soweit, dass kein Konflikt gescheut wird – Diplomatie ist nicht die Stärke der Rhodesian Ridgebacks. Auch haben sie einen ausgeprägten Hang zur Selbstständigkeit: Ohne eine starke Führungsperson übernimmt der Rhodesian Ridgeback sowohl die Verteilung von Ressourcen (Futterbeschaffung, Liegeplätze u.ä.) als auch die Entscheidung, wer „sein“ Haus betreten darf gerne selbstständig und kann damit schnell zum wahrhaften Haustyrannen werden. Zumal diese beeindruckenden Hunde keine ernsthaften Hindernisse kennen: Ob geschlossene Tür oder hoher Zaun – wenn sich der Rhodesian Ridgeback entschieden hat, dass er irgendwo hin möchte, dann hält ihn nichts auf.

Allerdings ist der Rhodesian Ridgeback auch ein echter Spätzünder in der Persönlichkeitsentwicklung: Erst mit etwa 3 Jahren hat sich der endgültige Charakter des jeweiligen Hundes vollständig entwickelt – bis zu diesem Zeitpunkt erwarten die Besitzer fortwährend Überraschungen, sei es der plötzlich erwachende Jagdtrieb oder der Entschluss, bestimmte Menschen von „seinem“ Rudel fern zu halten.

Kein Hund für jedermann

Der Rhodesian Ridgeback begeistert schon durch sein majestätisches Erscheinungsbild. Und auch seine typisch wachsame und loyale Art macht ihn für Liebhaber der Rasse zum absoluten Traumhund. Allerdings möchte gerade diese aufmerksame und beschützende Ader im Rhodesian Ridgeback auch sorgfältig gelenkt sein, sonst kann es schnell unangenehm werden: Sein muskulöser Körperbau und seine selbstständige Art machen den afrikanischen Löwenhund ohne angemessene Führung zu einer gefährlichen Waffe.

Zudem müssen Halter stets darauf achten, dass Ihr Rhodesian Ridgeback ausreichend ausgelastet ist, sonst kann es leicht passieren, dass ein gelangweilter Löwenjäger stattdessen Jagd auf Rehe, Haustiere oder auch Kinder macht – dabei ist mit diesen gewaltigen Hunden nicht gut Scherzen. Während man einen Yorkshire Terrier im Wissen, dass er ihn eh nie erwischt, ein Stück weit kläffend hinter dem Hasen her flitzen lassen kann, sieht das bei einem Rhodesian Ridgeback anders aus: Diese Hunde sind durch ihre Triebe furchtlose Jäger und durch ihren kraftvollen Körperbau potentielle Killer. Besser ist es deshalb auf jeden Fall, einen Rhodesian Ridgeback ausreichend auszulasten: Viel Bewegung hilft den roten Riesen, ihren Seelenfrieden zu finden.

Eines steht fest: Der afrikanische Löwenhund eignet sich nicht als Hund für die Wohnungshaltung oder gar als Stadthund. Er braucht sportliche Menschen, die bereit sind ihn konsequent zu erziehen und die ihm viel Auslauf und ein angemessenes Grundstück zum beschützen bieten können. Zugegebenermaßen: Der Charakter des Rhodesian Ridgeback macht ihn nicht unbedingt zum Anfängerhund. Ist man aber bereit ihn von Anfang an mit Zeit, Geduld und Konsequenz zu erziehen, machen seine Charaktereigenschaften ihn auch zu einem wunderbar loyalen Begleiter in allen Lebenslagen.

Bild: © Mikkel Bigandt / Fotolia.com

 

 

Eine Antwort zu “Rasseportrait: Rhodesian Ridgeback”

  1. Ridgebackfan sagt:

    Toller Artikel über den Rhodesian Ridgeback. Vor allem das mit dem Charakter fand ich sehr interessant. Das war mir vollkommen unbekannt, dass es bei dieser Hunderasse drei Jahre bis zur vollständigen Entwicklung der Persönlichkeit dauern kann. Das ist aber auch viel Zeit um etwas falsch zu machen bei der Erziehung :-O
    lg Matthias

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.