Ob in den Kleinanzeigen oder im Tierschutz: Wer sich einen Hund zulegen möchte, stößt unweigerlich auf Auslandshunde, die, teils aus katastrophalen Umständen gerettet, nun auf ein warmes Körbchen in einem deutschen Zuhause warten. Beim Anblick der furchtbaren, tierunwürdigen Zustände in vielen Ost- und Mittelmeerländern ist der Wunsch den armen Hunden zu helfen groß, der Anblick der treuen Hundeaugen tut sein übriges und schon darf so mancher Hund in ein neues, besseres Zuhause einziehen und ist gerettet. Ganz so einfach, wie es klingt, ist es aber leider nicht – weder für den Hund, noch für den frischgebackenen Halter.

Kein guter Platz für Hunde

Tatsächlich haben es Hunde nicht überall so gut, wie hierzulande. In vielen Ländern, ob im warmen Süden oder im Osten Europas, gehören Straßenhunde zum typischen Stadtbild – sie zu treten und zu verscheuchen ebenso. Kastrationen und tiermedizinische Versorgung sind eher die Ausnahme und so vermehren sich die Hunde unkontrolliert. Der „Überschuss“ wird ertränkt, erschlagen, im besten Falle ausgesetzt oder in eines der vielen überfüllten Shelter oder Tierheime gebracht, in denen oft schon nach wenigen Wochen ohne Vermittlung die Tötungsstation droht. Auch wer für den Gebrauch als Jagd-, Wach- oder Rennhund nicht zu gebrauchen ist, für den gilt das selbe. Damit sind die Zukunftsaussichten für viele Hunde im Ausland nicht unbedingt sonnig.

Für uns, die wir in einem Land leben, in dem Hunde als Familienmitglieder und Kinderersatz gehalten werden, ist das unverständlich. Die geschundenen Hundekörper und die traurigen, aber doch hoffnungsvollen Hundeblicke in den Tötungsstationen und in den Sheltern treiben so manchem tierlieben Menschen die Tränen in die Augen – man möchte helfen! Nur wie? Manche Tierschutzorganisationen haben es sich deshalb zum Ziel gemacht, diese Hunde von den Straßen und Auffangstationen in tierfreundlichere Länder zu bringen, um ihnen dort die Chance auf ein besseres, hundegerechtes Leben zu geben. Tag für Tag reisen deshalb hunderte Hunde hierzulande ein: Aus Griechenland, Malta, Rumänien, Bosnien und vielen anderen Ländern. Die Vermittlung ist oftmals schon im Vorfeld organisiert, die Adoptanten müssen im Normalfall nur die organisatorischen Kosten für Anreise, Impfung und Einreiseuntersuchung zahlen und schon können Sie ihr neues Familienmitglied direkt ab dem Flughafen in Empfang nehmen – das Glück mit dem eigenen Hund scheint zum Greifen nah.

Großer Frust statt großem Glück?

Stolz nehmen die Menschen ihre Hunde in Empfang, im festen Glauben, einen treuen Begleiter für den Rest des Lebens gefunden zu haben – schließlich hat man sie ja gerettet, da darf man schon ewige Loyalität und Dankbarkeit erwarten. Für die Hunde allerdings sieht das anders aus: Viele haben in ihrem Leben noch nichts anderes gesehen, als die Straßen ihrer Heimat, wurden von Menschen manchmal gefüttert, manchmal getreten, irgendwann eingefangen, eingesperrt und abtransportiert. Sie sind verwirrt und verängstigt, aus ihrem bekannten Umfeld herausgerissen – denn auch wenn sie bisher ein schlimmes Leben hatten, so war es doch IHR Leben, das sie kannten und in dem Sie wussten, wie sie sich verhalten müssen. Alles, was danach kommt, ist neu.

Im besten Fall erwischen Sie einen Hund, der einmal in einer Familie gelebt hat und grundlegende Dinge, wie Stubenreinheit und den Kontakt mit Menschen kennt. Im schlimmsten Fall erwischen Sie einen Angsthund, der sich kaum berühren lässt und in seinem bisherigen Leben nur schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht hat. Denn auch wenn der Tierschutzverein Ihnen einen absolut lieben, dankbaren Hund versprochen hat, so müssen Sie sich doch vor Augen halten, dass die deutschen Tierschützer im Ausland oftmals nur sehr wenig Zeit haben, einen Hund zu beurteilen und dass dieses Urteil entsprechend wenig realistisch, sondern vielmehr optimistisch ausfällt – schließlich geht man davon aus, dass gute Haltungsumstände auch das Beste im Hund zum Vorschein bringen. Auch eine noch so positive Beschreibung der Tierschutzorganisation ist also noch lange keine Garantie dafür, dass es tatsächlich möglich wird, einen Auslandshund mühelos in die neue Familie zu integrieren.

Die Probleme sind oft klein, aber doch belastend: Viele, gerade ältere Auslandshunde sind nicht stubenrein und brauchen nach der Zeit in verdreckten Sheltern lange, um zu begreifen, dass Sie nach draußen sollen, um sich zu lösen. Schon kleine, unbekannte Geräusche, wie die Mikrowelle, Telefone, Staubsauger und vieles mehr können Sie aufschrecken und unter Stress setzen. Vielleicht hat der Hund schlechte Erfahrungen mit Männern in schwarzen Jacken gemacht und wird diese nun auch hier auf der Straße unerwartet anfeinden – auch wenn er sonst „menschenfreundlich“ ist. Deshalb machen Sie sich vor allem eines klar, wenn Sie einen Hund aus dem Ausland aufnehmen wollen: Sie wissen nichts übers eine Vergangenheit und es wird unter Umständen lange dauern, bis Sie Ihren Hund wirklich in allen Situationen richtig einschätzen können.

Das große Glück mit dem geretteten Hund ist also keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Damit stattdessen kein großer Frust aufkommt, sollten Sie einige Punkte bereits vor der Anschaffung eines Auslandshundes bedenken.

Was Sie vor der Anschaffung eines Auslandshundes bedenken sollten

Die Entscheidung für einen Auslandshund rettet diesem vermutlich das Leben. Dennoch sollten Sie nicht rein aus Mitleid handeln, sondern sich im Vorfeld gründlich Gedanken machen, ob Sie den Herausforderungen, die ein solcher Hund unter Umständen mit sich bringt, auch wirklich gewachsen sind. Denn schließlich soll der gerettete Hund nicht erneut in einem Tierheim landen.

Bedenken Sie deshalb vor der Anschaffung eines Auslandshundes folgende Punkte:

  • Stubenreinheit: Unter Umständen hat der Hund nie gelernt stubenrein zu sein. Haben Sie die Zeit und Geduld, es ihm liebevoll beizubringen?
  • Fressgewohnheiten: Vielleicht musste Ihr Hund auf der Straße hungern oder mit anderen Tieren um sein Essen kämpfen – können Sie mit Futterneid und aggressiver Ressourcenverteidigung angemessen umgehen?
  • Erziehung und Sozialisation: Auch wenn es möglich ist, dass Ihr Hund bereits in einer Familie gelebt hat, kann es doch auch sein, dass Sie bei Null anfangen müssen. Haben Sie die Zeit und unter Umständen auch fachmännische Unterstützung, um Ihrem neuen Hund eine solide Erziehung zu gewährleisten und ihm alles zu zeigen, was sein neues Leben mit sich bringt?
  • Räumlichkeiten: Viele Auslandshunde kennen fast ausschließlich ein Leben im Freien, das Leben im Haus scheint zunächst bedrohlich. Deshalb sollten Sie auch ein Grundstück haben, das der Hund nutzen kann. Auch ein „ausbruchsicherer“ Zaun ist von Vorteil, schließlich soll vermieden werden, dass der noch unsichere Hund in einer Paniksituation abhaut und sich dann unter Umständen nicht zurecht findet. Können Sie Ihrem Hund Räumlichkeiten bieten, die ihn nicht einengen und dennoch eine „Flucht“ sicher verhindern?

Selbstverständlich kann es ebenso sein, dass Ihnen keiner dieser Punkte jemals Probleme machen wird: Auch aus dem Auslandstierschutz kommen gut sozialisierte, stubenreine Hunde nach Deutschland, die lediglich von Ihren Besitzern im Ausland nicht mehr gewollt waren und deshalb im Shelter gelandet sind. Auch Welpen aus dem Ausland, die zum Teil schon in sachverständigen Pflegestellen aufgewachsen sind, können sich oftmals zu völlig unproblematischen Hunde entwickeln. Darauf verlassen sollten Sie sich aber lieber nicht.

Eine Chance geben bedeutet Verantwortung

Dennoch ist nicht nur beim Anblick der teils schrecklichen Bilder aus manchen ausländischen Sheltern schnell klar, dass man diese Tiere nicht einfach Ihrem Schicksal überlassen darf. Dass Auslandshunde allerdings per se und schon aus Dankbarkeit heraus perfekte Familienhunde sind, dürfen Sie aber keineswegs erwarten. Zwar gibt es solche wunderbaren Exemplare, die tatsächlich scheinbar völlig problemfrei sind, die Regel ist das allerdings nicht. Adoptieren Sie deshalb niemals einen Hund einfach nur aus Mitleid, sondern machen Sie sich zunächst genauestens mit der Verantwortung bekannt, die damit auf Sie zukommt und beachten Sie dabei auch die teils speziellen Anforderungen von Auslandshunden. Dann allerdings steht einer erfolgreichen Adoption eines Auslandshundes nichts mehr im Wege.

Wenn Sie allerdings zu dem Entschluss kommen, dass die Haltung eines solchen Hundes Sie doch überfordert, so ist das noch lange kein Beinbruch. Schließlich können Sie dennoch vieles tun, um den Hunden in ausländischen Tierheimen und Sheltern zu helfen: Sachspenden, wie Futter, Näpfe, Liegeplätze und ähnliches verbessern die Situation vor Ort, Patenschaften ermöglichen die Unterbringung in geschulten, privaten Pflegestellen fernab der öffentlichen Shelter. Um zu helfen müssen Sie also nicht gleich die komplette Verantwortung für ein Hundeleben auf sich nehmen, wenn Sie sich dem nicht gewachsen fühlen. Schließlich verdient gerade ein Hund, der schon viel Schlechtes erleben musste, ein dauerhaftes Zuhause, in dem er den Rest seines Hundelebens glücklich und zufrieden leben kann.

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