Hunde haben ein beeindruckendes Gebiss, das sie von ihren Vorfahren, den Wölfen, geerbt haben. Allerdings haben viele Hunde heutzutage Probleme mit Zahnstein, Zahnbelag, Mundgeruch und entzündetem Zahnfleisch. Anders als Wölfe scheinen Hunde anfälliger für diese Probleme zu sein, denn der Wolf hat nur im Alter ein wenig Zahnstein, wenn überhaupt. Tja, da wo der Mensch seine Finger im Spiel hat, ist es nur selten für Tiere gut ausgegangen.
Leider sind ungeeignetes Futter und Kaumaterial, Über- und Kleinzüchtung sowie Vermenschlichung die Hauptgründe. Zum Glück wird mittlerweile die Ansicht vertreten, dass auch bei Hunden die Zahnpflege wichtig ist. Doch leider wissen nicht alle Hundehalter wie das richtig funktioniert. Sie hören weiter auf die Empfehlungen von Freunden, Züchter, Tierärzten und auf die Werbung der Futtermittelindustrie, geben dem Hund sogenannte Dentasticks voller Zusätze und glauben tatsächlich, dass Discounterfutter gesund ist und Trockenfutter die Zähne reinigt.
„Seltsame Menschen“, würde ein Hund jetzt sagen. „Warum lernen sie denn nicht, was gut für mich ist. Ich bin doch ein Familienmitglied und es kann doch nicht zu viel verlangt sein, mal ein Buch zu dem Thema zu lesen. Aber dafür haben die ja keine Zeit. Sack auf und seltsame Brocken in den Napf zu kippen, ist ja auch so schön bequem. Würden die doch mal die Deklaration lesen, aber wenn schon, sie verstehen sie ja nicht. Und ich muss das dann auch noch fressen, das sieht doch ein Blinder, dass sowas nichts mit Ernährung zu tun haben kann. Tja, und dann bekam ich Zahnstein.“
Warum solltest Du die Zähne Deines Hundes pflegen?
Viele Hundebesitzer fragen sich, warum sie sich um die Zahnpflege ihres Vierbeiners kümmern sollten. Immerhin braucht ein wildlebender Wolf auch keine Zahnreinigung, oder? Das stimmt jedoch nicht, auch ein Wolf benötigt eine Zahnreinigung, aber die Natur hat die Zahnsteinprophylaxe bei ihnen direkt mit eingebaut. Doch beim Hund funktioniert sie nicht mehr und Schuld daran ist der Mensch.
Die Zucht von Hunden hat über Jahrhunderte hinweg weniger Wert auf ein gesundes Gebiss gelegt als auf äußerliche Merkmale wie das Fell. Zudem wurden einige Rassen unnatürlich klein gezüchtet, was zu viel zu engen Zahnständen führt. Weitere Faktoren, die zu Zahnproblemen beim Hund führen können, sind eindeutig das Futter und Kaumaterial.
Anders als ein Wolf, der seine Beute vollständig mit Haut und Haaren verschlingt und so seine natürliche Zahnsteinprophylaxe durchführt, ist das heutige Hundefutter oft nicht optimal für die Zahngesundheit. Bestandteile wie verstecktes Getreide und Zucker (getreide- und zuckerfrei bedeutet nicht, dass es nicht doch enthalten ist) können Zahnbelag fördern und schädliche Mundbakterien anziehen, die letztendlich zu Zahnstein führen können. Außerdem bietet das übliche Futter kaum Möglichkeiten zur manuellen Reinigung des Gebisses. Dein Hund, Deine Verantwortung und Zahnstein ist leider in 90% aller Fälle hausgemacht.
Wie entsteht Zahnstein bei Hunden?
Zahnstein bei Hunden entsteht durch eine Kombination von Faktoren. Während des Fressens bilden sich durch Futtermittelbestandteile, gemischt mit Speichel und im Mundraum vorkommenden Bakterien, Beläge auf den Zähnen. Die Bakterien in diesen Belägen produzieren Säuren, die den Zahnschmelz angreifen und übelriechende Gase, die zu schlechtem Atem führen.
Im Laufe der Zeit verhärten sich diese Beläge durch die mineralischen Bestandteile des Speichels zu hartem und bräunlichem Zahnstein, der sich auch nicht mit einer Zahnbürste entfernen lässt. Bestimmte Hunderassen, wie Chihuahua, Pudel, Dackel, Mops, Shih-Tzu, sind aufgrund ihrer zuchtbedingt viel zu schmalen Kieferform und zu engen Zahnstände anfälliger für Zahnsteinbildung als andere. Das hatte die Natur so nicht vorgesehen.
Falls Du einen dieser winzigen Hunde haben solltest und ihn auch bestimmt sehr lieb hast, diese Rassen würden jedoch in der Natur so nicht vorkommen, denn sie wären kaum überlebensfähig. Hier hatte der Mensch seine Finger im Spiel. Rassespezifische Probleme wie vermehrter Zahnstein, Patellaluxation, Gelenk-, Wirbel- und Bandscheibenprobleme sind nur einige der möglichen Folgen, mit denen sich überwiegend nach menschlichen Wünschen zurechtgezüchtete Rassen heutzutage rumschlagen müssen. Umso größer lastet die Verantwortung auf den Schultern der Besitzer und Besitzerinnen, für ihr Wohlbefinden artgerecht zu sorgen.
Was bedeutet der Begriff „Artgerecht“?
Der Begriff „artgerecht“ bezieht sich auf die Haltung und Ernährung von Hunden in einer Weise, die ihren natürlichen Bedürfnissen und Instinkten entspricht. Artgerechte Haltung bedeutet, dass die Lebensumgebung des Hundes seinen natürlichen Verhaltensweisen und Bedürfnissen gerecht wird. Dies umfasst ausreichend Bewegungsmöglichkeiten, Zugang zu frischer Luft und Sonnenlicht, angemessene Sozialkontakte mit Artgenossen, die Erfüllung rassespezifischer Triebe sowie eine sichere und komfortable Unterkunft.
Bei der artgerechten Ernährung von Hunden geht es darum, ihnen eine Nahrung zu bieten, die ihren biologischen Anforderungen entspricht. Hunde sind nur zu ca. 70 % Fleischfresser und benötigen eine ausgewogene Ernährung. Eine artgerechte Ernährung beinhaltet in der Regel eine grundsätzliche Mischung aus Muskelfleisch, Herz, Lunge, Magen, Innereien, Sehnen, Knorpel, Haut und Fell, Knochen, Gemüse, Obst, Beeren, Kräuter, Nüsse, Ei und Fette. Es ist wichtig, hochwertige und natürliche Zutaten zu wählen und vor allem industrielles Nass- und Trockenfutter mit künstlichen Zusätzen, Konservierungs-, Lock-, Geschmacks- und Farbstoffen zu vermeiden. Leider wissen die wenigsten eine Deklaration richtig zu deuten, noch wie ein korrekte Deklaration von Fleisch und weiteren Zutaten auszusehen hat, noch das frei von Zucker, Getreide und künstlichen Zusätzen, nicht gleichbedeutend damit ist, dass diese nicht enthalten sind. Dahinter steckt jedoch ein System der Futtermittelindustrie, die sich auf das Futtermittelrecht bezieht, die nur wenig mit dem Lebensmittelrecht zu tun hat. Ein Futter benötig zum Beispiel nur 4 % Fleisch, um als Alleinfutter vermarktet werden zu dürfen – soweit zum Futtermittelrecht.
Artgerechte Haltung und Ernährung zielen darauf ab, das Wohlbefinden und die Gesundheit des Hundes zu fördern, indem sie seinen physiologischen und psychologischen Bedürfnissen gerecht werden. Das zu erlernen, liegt in der Verantwortung des Menschen dem Hund gegenüber. Kann das nicht erfüllt werden, ist eine artgerechte und gesunde Haltung kaum möglich.
Ich gehe davon aus, dass dazu jede Leserin und jeder Leser seine Zustimmung geben wird. Doch wie sieht die Realität aus? Leider oft anders. Industriell gefertigtes Nass- oder Trockenfutter, oft aus aus dem Discounter oder aus den üblichen (Online-)Imbissfutterbuden für Hunde, zu wenig Bewegung, kaum Kopfarbeit und Sozialkontakte und Vermenschlichung sind an der Tagesordnung und führen nicht nur zu Krankheiten sondern auch zu Verhaltensstörungen.
Der Hund macht Pipi vor Freude, bellt fremde Menschen an oder kläfft wegen jeder Kleinigkeit, er kommt mit anderen Hunden nicht zurecht, Hüpft wie ein Zirkushund an einem hoch und wird dann auch noch dressiert sich die Zähne putzen zu lassen. Eine artgerechte Hundehaltung hat nichts mit Zirkuslektionen zu tun.
Die möglichen Folgen von Zahnstein
Neben einem häufig auftretenden Mundgeruch können sich Entzündungen am Zahnhals häufen und zu chronisch entzündetem Zahnfleisch und Zahnfleischblutungen führen. Das kann wiederum zu einem Rückgang des Zahnfleisches, Schmerzen beim Fressen, Futterverweigerung sowie einer Lockerung bis hin zum Ausfall der Zähne führen. Im schlimmsten Fall gelangen Keime und Bakterien aus dem Mundraum über die Blutbahnen in den Organismus und infizieren auch andere Teile des Körpers. So kann es zum Beispiel auch zu Herz-, Nieren- und Leberschäden kommen. Daher ist es wichtig, Zahnstein zu entfernen.
Kann der Tierarzt bei Zahnstein helfen?
Eine Zahnreinigung beim Tierarzt kann eine Lösung sein. Hunde reagieren meist sehr gestresst auf die unangenehme Behandlung, weshalb eine Vollnarkose erforderlich ist, um Panikreaktionen und Verletzungen des Vierbeiners und des Tierarztes durch Gegenwehr zu vermeiden.
Jedoch sollte man sich überlegen, ob man eine Vollnarkose nur zur Zahnreinigung durchführen lässt. Viele Hundehalter empfinden dies als übertrieben, denn besonders bei sehr kleinen, vorerkrankten oder älteren Hunden kann das Risiko dabei erhöht sein.
Auch die Kosten sind nicht zu unterschätzen sein. Nach dem 1-fachen Satz berechnet, ab ca. 250 Euro und schnell können daraus auch ca. 450 Euro werden. Eine Zahnreinigung beim Tierarzt ist zudem nur selten nachhaltig. Zum Glück gibt es auch sehr gute Tierärzte, die muss man aber erst mal finden! Deshalb suchen viele Hundehalter nach Alternativen, die dem Hund und dem Geldbeutel schonend sind.
Ein Blick auf mögliche Ursachen und Vorausetzungen
Bevor man eine alternative Methode in Betracht zieht, ist es wichtig, den Hund vernünftig zu ernähren und ihm passendes und natürliches Kaumaterial zu geben. Das ist unabdingbar, eine natürliche Zahnpflege funktioniert nur, wenn die gesamte Kette natürlich und artgerecht ist. Das ist eine Vorraussetzung! Eine Pille ins Futter und der Zahnbelag verschwindet wie lästige Kopfschmerzen, nein, das gibt es nicht.
Aber warum werden solche Futter trotzdem von so vielen gefüttert? Die Antwort ist einfach: Es ist bequem den Sack aufzumachen und die seltsamen Brocken in den Napf zu geben. Dosen sind ebenso praktisch und wie schön lange haltbar die alle sind (warum wohl?). Viele Hundehalter glauben auch, dass das Futter gut ist, weil die Hersteller es in der Werbung „versprechen“. Es gibt nur wenige Ausnahmen und die wenigsten Hundehalter kennen sie, denn die kleinen verantwortungsvollen Hersteller können mit den Werbemillionen großer Konzerne nicht mithalten. Aber es gibt sie die guten Futter! Dennoch bleiben auch die guten Nassfutter aus der Dose Fertigfutter und sollten regelmäßig mit frischen Zuaten aufgewertet werden.
Buchtipp: „Hunde würden länger leben, wenn…“ von Frau Dr. med. vet. Ziegler. Das Buch ist sozusagen der Führerschein für alle Hundehalter und informiert für Laien verständlich, wie Hunde ernährt werden sollten, wie viele Tierärzte und die Futter- und Pharmaindustrie Hand in Hand arbeiten und vor allem wie solche Futter tatsächlich hergestellt werden.